Jul 142014
 

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Meine Kickstarter-Erfahrung ist bisher nicht so berauschend. Keines meiner bisher unterstützten Videospiel-Projekte konnte mich so richtig überzeugen. Egal ob Broken Age, Shadowrun Returns, Baphomets Fluch, oder Battle World Kronos , alle waren mittelmäßig bis ganz gut. Nun ist ein weiteres der Projekte fertig, denen ich mein Geld fast blind hinterher geworfen habe. Ein Titel mit einem Budget von knapp 40.000 Dollar und einem unbekannten Entwicklerstudio, bestehend aus einer Person. Wenn Tim Schafer mit drei Millionen kein Meisterwerk kreieren kann, wie soll es dann ein so kleines Studio mit ein paar Peanuts schaffen?

„Mein Name ist Samus Threepwood und ich möchte Weltraumpiratin werden!“

Letztlich wurde ich durch die ersten Bilder und Videos der Kickstarter-Kampagne davon überzeugt, meine Kreditkarte zu zücken. Sie zeigten einen düsteren Platformer, der sich sowohl an Action-Adventures, als auch an Point-and-Click-Adventures orientiert. Eine Mischung aus Super Metroid und Monkey Island wurde versprochen. Kann es etwas Besseres geben? Nun wo das Spiel fertig ist, kann ich sagen: Bestimmt gibt es Besseres, aber The Fall macht seine Sache richtig gut!

Als Spieler schlüpft man ausnahmsweise nicht in die Haut eines menschlichen Protagonisten, sondern in einen Kampfanzug, der von einer künstlichen Intelligenz kontrolliert wird. Der menschliche Pilot des Kampfanzugs hat sich schwer verletzt, so dass die KI „ARID“ die Kontrolle übernehmen muss, bis medizinische Hilfe gefunden ist, die den Körper im Anzug heilen kann. Ein Weltraumanzug mit weiblicher Stimme ist nicht die einzige Parallele zu der Metroid-Serie, aber statt Raketenarm und Morph-Ball gibt es bei The Fall nur Taschenlampe und Pistole.

Traue keinem Roboter

Das Gameplay bei The Fall ist wirklich gut geworden. Zwar geht es wie in einem klassischen 2D-Platformer oftmals nur von links nach rechts, mit Sprüngen über Abhänge oder über Leitern auf eine andere Ebene, darüber hinaus sucht man aber auch nach Objekten, kombiniert sie mit der Umgebung und öffnet so Türen oder löst Rätsel. Diese sind im Übrigen sehr gut mit der Story verwoben und fordern auch mal das Gehirn – es muss nicht immer die Schlüsselkartensuche sein. Die versprochene Kombination von Super Metroid und Monkey Island ist vielleicht etwas dick aufgetragen, die Ansätze sind aber deutlich erkennbar.

Darüber hinaus wird auch ein wenig geballert, wobei die Kämpfe durch das Deckungssystem ziemlich einfach sind. Im Prinzip kann sich die Spielfigur ohne Probleme an jeder Stelle tarnen und mit dem Hintergrund verschmelzen und muss dann nur noch auf den richtigen Moment warten, um feindliche Androiden zu eliminieren. Ein ähnliches Deckungssystem bot beispielsweise Blackhawk auf dem SNES. So sind die Kämpfe nicht so richtig fordernd, bieten aber immerhin das richtige Maß an Action zwischen den Story- und Rätselsequenzen.

Paranoid Android

Als ob das gelungene Gameplay nicht reichen würde, bietet The Fall odendrauf noch eine tolle Geschichte. ARID ist eine künstliche Intelligenz, die dafür sorgen muss, dass der Mensch in seinem Anzug überlebt und der Spieler darf miterleben, wie die KI andere Roboter oder sogar ihre eigenen, vorprogrammierten Handlungsanweisungen austrickst. Nebenbei muss sie sich mit außer Kontrolle geratenen Androiden und intelligenten Sicherheitssystemen herumschlagen. Natürlich dürfen auch überraschende Twists nicht fehlen und das Ende ist äußerst effektiv inszeniert.

Ich hätte nicht gedacht, dass so ein kleines Projekt es schafft, so viel aus dem Genre der 2D-Platformer rauszuholen. Over the Moon Games nimmt sich einen klassischen Unterbau, packt Elemente aus anderen Genres dazu und präsentiert so ein frisches Spiel im alten Gewand. Leider ist die Geschichte um ARID schon nach knapp drei Stunden zu Ende, aber ich bin mit The Fall vollkommen zufrieden und kann die bereits angekündigten Folgeepisoden kaum abwarten.

Rating: ★★★★½

Preis: 9,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X, Linux

Homepage / Forum (Steam)

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