Mrz 292016
 

kholat4-tnkholat3-tnkholat1-tnkholat2-tn

In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 1959 kamen neun Menschen einer Expeditionsgruppe im nördlichen Uralgebirge um’s Leben. Ihr Lager und ihre Leichen fand man verstreut am Hang des Berges Kholat Syakhl. Das Zelt war von innen aufgeschlitzt, einige Körper hatten nur Unterwäsche an und manche hatten innere Verletzungen ohne erkennbare Gewalteinwirkung von außen. Die Theorien zur Todesursache reichen vom Lawinenrutsch, über Angriffe durch indigene Völker, bis hin zu militärische Atomwaffentests. Abschließend geklärt werden konnte der Fall bis heute nicht. Nun versuchen sich die Entwickler von IMGN.PRO an einer Interpretation der Ereignisse mit dem Spiel Kholat.

Wo soll das nur hinführen?

In Kholat schlüpft man in die Rolle eines Wanderers, der mit nichts weiter als mit einer Taschenlampe, einem Kompass und einer Karte ausgerüstet ist und das Geheimnis um das Unglück lüften will. Das Spiel beginnt in einem Tal, um das sich ein Gebirge zieht. Anders als in vergleichbaren Spielen läuft man nicht von Punkt A nach B, sondern kann völlig frei entscheiden, wo die Reise hingehen soll. Auf der Karte sind nur einige Koordinaten eingezeichnet, die wichtige Orte angeben.

Das wohl größte Alleinstellungsmerkmal ist, dass die Navigation einzig mit der Karte und dem Kompass funktioniert. Es gibt keine Wegpunkte und als Spieler muss man sich mit dem Kompass und der Karte an Himmelsrichtungen und markanten Orten orientieren. Mir persönlich fiel das zunächst sehr schwer, da ich wohl von üblichen Wegfindungsmechanismen verwöhnt bin. Nach einiger Eingewöhnung machte es aber richtig Spaß, sich anhand der Karte zurechtzufinden und es war jedes Mal ein Erfolgserlebnis, wenn ich die Karte richtig gelesen hatte.

Hiking-Simulator

Der größte Teil des Spiels findet auf eingeschneiten Wanderwegen und in Felsschluchten statt. Ab und zu wird die Szenerie durch besondere Orte – wie dunkle Tropfsteinhöhlen oder einer alte Kirche – aufgelockert, allerdings muss man sich darauf einstellen die meiste Zeit nur Schnee, Gestein und ein paar Bäume vor Augen zu haben. Das ist einerseits eintönig, andererseits vermittelt es gut die Stimmung in der einsamen Gegend im Norden des Ural. Dazu trägt auch die intensive Geräuschkulisse bei, die durch knarzendes Holz, heulende Wölfe und pfeifenden Wind eine intensive und gruselige Atmosphäre erzeugt.

Leider gibt es keine Kletter- oder Sprung-Funktion, sodass man sich eher wie ein Wanderer auf vorbestimmten Pfaden fühlt, als wie ein Bergsteiger, der die Gegend auf seine eigene Weise erkundet. Verstärkt wird dieses Gefühl noch dadurch, dass man bereits an kleineren Steinen hängen bleibt und wenn es doch mal mit dem Überwinden derselben klappt, nie so richtig weiß, ob dieser Weg von den Entwicklern vorgesehen war. Immerhin wird der eigene Erkundungstrieb mit versteckten Tagebuchseiten, Zeitungsartikeln und Berichten belohnt, die an verschieden Orten versteckt sind. Diese bringen einige Theorien rund um das Unglück der Expeditionsgruppe ins Spiel und verleihen zudem dem gespielten Charakter eine Hintergrundgeschichte.

kholat5-tn

Auf die Karte schauen, laufen, auf die Karte schauen, laufen, …

Die Suche nach den vorgegebenen Koordinaten und den optionalen Hinweisen kann auf Dauer etwas ermüdend sein, da außer laufen und Karte lesen nicht viel mehr passiert. Immerhin trifft man im Laufe des Spiels auf kleine Zelte, die als Schnellreisepunkte dienen und das Erkunden etwas erleichtern. Das Spielprinzip ändert sich nur an einer handvoll Stellen, an denen man sich vor mysteriösen Schattenwesen verstecken oder wegrennen muss. Das passte für mich nicht unbedingt zur restlichen Atmosphäre des Spiels und war eher nervig. Allerdings nimmt es auch wenig Platz im etwa fünf Stunden dauernden Spiel ein.

Trotz des etwas monotonen Spielprinzips und dem plumpen Ende hatte ich eine gute Zeit mit Kholat, weil ich mich selbst wie ein wandernder Ermittler gefühlt habe. Jede richtige Interpretation der Karte war ein Erfolgserlebnis und jeder gefundene Hinweis ließ mich neugieriger werden, was mit den neun Menschen passiert ist. Erwartet kein abwechslungsreiches Spektakel mit Jumpscares, sondern eher ein Wandersimulator im Schnee mit schauriger Atmosphäre.

Rating: ★★★½☆

Preis: 17,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 19,99€ / $19,99

Extras: –

Homepage / Sony Entertainment Network

Ähnliche Beiträge:
GhostControl Inc.
Meine Karriere als Geisterjäger begann bereits in den Achtzigern auf dem C-64. Nicht nur die gesampelte Titelmusik ließ mich immer wieder zurückkehren, das Spiel war auch voll OK. Erst viele ...
Weiterlesen
Call of Juarez: Gunslinger
Da soll ein Franchise wohl richtig ausgequetscht werden - das war mein erster Gedanke. Auf die zwei erfolgreichen Western-Shooter Call of Juarez und CoJ: Bound in Blood folgte CoJ: The ...
Weiterlesen
Letter Quest: Grimm’s Journey Remastered
Vor etwa einer Dekade konnte die sympathische, kleine Entwicklerschmiede Popcap ihrer Kreativität noch freien Lauf lassen und veröffentlichte neben haufenweise Durchschnittskost, auch einige zeitlose Klassiker. Darunter auch eine abstruse Mischung ...
Weiterlesen
Escape Goat
Gefängnisausbrüche sind immer spannend. Die Serie Prison Break fesselte Millionen Zuschauer vor den Bildschirm und Filme wie Die Verurteilten oder Flucht von Alcatraz zeigen, dass der Stoff zu begeistern weiß. ...
Weiterlesen
Grand Prix Rock’N Racing
Vorsicht! Grand Prix Rock'n Racing ist einsteigerunfreundlich, extrem schwer und wahrscheinlich sogar unfair. Jegliche Kollision hat lachhafte physikalische Reaktionen zur Folge. Hätte ich es nicht testen müssen, wäre es wahrscheinlich ...
Weiterlesen
Octodad: Deadliest Catch
Einige Menschen würden gerne aus ihrem Alltag ausbrechen. Sie haben genug von ihrem kleinen Haus mit Vorgarten für das sie noch 20 Jahre den Kredit abbezahlen müssen. Genug vom stressigen ...
Weiterlesen
GhostControl Inc.
Call of Juarez: Gunslinger
Letter Quest: Grimm’s Journey Remastered
Escape Goat
Grand Prix Rock’N Racing
Octodad: Deadliest Catch