Okt 132016
 

letterquestremastered1-tnletterquestremastered2-tnletterquestremastered3-tnletterquestremastered4-tn

Vor etwa einer Dekade konnte die sympathische, kleine Entwicklerschmiede Popcap ihrer Kreativität noch freien Lauf lassen und veröffentlichte neben haufenweise Durchschnittskost, auch einige zeitlose Klassiker. Darunter auch eine abstruse Mischung aus Rollenspiel und Boggle. Bookworm Adventures konnte mich seinerzeit fesseln wie kaum ein anderes Spiel und hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Es ist für mich der Goldstandard der wortbasierten Puzzlespiele. Und was hat das jetzt mit Letter Quest zu tun? Im Grunde genommen alles.

Bookworm Adventures Version -1

Vor Adventures gab es einen „normalen“ Bookworm. Ohne RPG, ohne Extras. Einfach nur möglichst lange Worte suchen und punkten. Ganz nett, aber nichts Besonderes. Durch die Erweiterung um eine zweite Ebene, wurde aus dem einfach Konzept etwas völlig Neues. Der Held hat Lebenspunkte, es gibt Gegner, längere Worte fügen mehr Schaden zu, Extras bringen die unterschiedlichsten Boni. Der Charme, den bereits der Vorgänger ausstrahlte, wurde übernommen und nochmals verstärkt.

Letter Quest kopiert, bzw. versucht dieses Konzept quasi 1:1 zu kopieren, schafft es aber nicht die Magie des Oldies zu reproduzieren. Einer der Gründe hierfür ist der Ursprung als Freemium-Titel auf mobilen Plattformen. Der Erwerb der Extras wurde als integraler Bestandteil benutzt, dem Spieler möglichst das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und dieses Grundprinzip macht leider auch bei der Neuauflage als Premium-Titel (einmal bezahlen, alles bekommen) viel kaputt.

Obwohl beide Spiele optisch absolut vergleichbar sind – Letter Quest sieht sogar noch hübscher aus – und das Grundprinzip absolut identisch ist, das Gefühl für uns, die Spieler, könnte unterschiedlicher kaum sein. Ohne den Druck, möglichst kein Geld ausgeben zu wollen, wird Letter Quest bereits nach wenigen eintönigen Leveln langweilig und – sogar noch schlimmer – anstrengend. Mir fehlte jegliche Motivation seitens der Spielmechanik weiterzumachen.

Farm(Ville) Quest

Andauernd wird eine neue Sorte Extra freigeschaltet, für die man Währung „farmen“ muss. Darauf ist das Spiel auch ausgelegt: jedes Level muss mehrmals mit anderen Zielsetzungen geschafft werden. Für manche davon braucht man unbedingt bestimmte, teure Upgrades. Ein Teufelskreis. Und ein absoluter Spaßtöter. Was ich aber wirklich, wirklich schade finde. Denn ich liebe diese Art von Spiel und ich hätte mir so sehr gewünscht, dass sich Letter Quest zumindest so gut wie Bookworm Adventures spielt, wenn nicht sogar noch besser. Wenn man bedenkt, welche Fortschritte das Gamedesign in den letzten zehn Jahren gemacht hat, keine unverschämte Forderung.

Immer brav Glücksrad geschaut? ERNSTL

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Remastered im Vergleich zum „normalen“ Letter Quest neben einem zusätzlichen, neuen Soundtrack auch einen endlosen Modus und neue Animationen spendiert bekommen hat. In jedem Level (von vierzig) lassen sich vier Sterne verdienen, welche zum Freischalten diverser Verbesserungen (auch rein optischer Natur) benötigt werden. Währung – hier Edelsteine – bekommt man durch das Erledigen von kleinen Quests (Bilde dreißig Wörter mit drei Buchstaben), erledigen von Gegnern und durch Schatztruhen, die nur nach lösen eines „Glücksrad“-Minispiels ihr Innerstes preisgeben. Englisch ist die einzige Sprache, in der gespielt werden kann.

Somit bleiben uns Wortakrobaten leider nur zwei Optionen: entweder zum Original greifen (momentan digital leider nicht mehr erhältlich), was aber leider immer inkompatibler zu neuer Hardware wird, oder zur spärlichen Konkurrenz greifen. Die ist derzeit eigentlich überwiegend und ausschließlich auf iOS und Android als Freemium-Titel zu Hause. Warum veröffentlicht PopCap nicht einfach eine eins-zu-eins Kopie, die den Spielspaß direkt vom Goldie übernimmt und lediglich in eine neue Engine packt? … u.a. weil PopCap jetzt zu EA gehört und auch zur dunklen Seite gewechselt ist. Aus dem charmanten Indie-Darling Pflanzen gegen Zombies wurde unter der neuen Führung einfach ein monetengrabschendes Ungetüm gebastelt. Pfui! *heul*

Rating: ★★½☆☆

Preis: 9,99€

Homepage / Nintendo-Infoseite

Preis: 7,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 9,99€ / $9,99

Extras: Cross-Buy

Homepage / Sony Entertainment Network

Preis: 9,99€ (zum Marktplatz)

Homepage / Forum

Ähnliche Beiträge:
Off-Road Velociraptor Safari
Browserspiele müssen nicht immer nur aus langweiligen Tabellen, statischen Grafiken und ewigen Wartezeiten bestehen (*hust* Ogame), das beweist Velociraptor Safari recht eindrucksvoll. Auch wenn die Grafik alles andere als High ...
Weiterlesen
Super Meat Boy
Wie schon einige prominente Beispiele vor ihm, begann auch das Leben von Meat Boy in einem Browser. Und genau wie bei den Kollegen Alien Homind HD oder N+ hat die ...
Weiterlesen
The Cave
Nun können wir die Höhle also endlich betreten. Lange hat es gedauert, bis das neue Projekt von Ron Gilbert fertig war. Der Mann hinter so großen Titeln wie Maniac Mansion ...
Weiterlesen
Meltdown
Vor einigen Wochen wusste mich der Trailer zu Meltdown zu begeistern. Ein Shoot'em up mit isometrischer Perspektive, bei dem man in Deckung gehen kann? Genau nach meinem Geschmack! Allerdings, was ...
Weiterlesen
The Walking Dead Season 1
Hallo und herzlich willkommen zu einer absolut verspäteten Rezension der ersten "Staffel" von The Walking Dead. Ich hatte mir ein Adventure erhofft und bekam Stattdessen ein "Choose Your Own Adventure", ...
Weiterlesen
Terraria
Ja, ich gebe es zu, ich mag Minecraft nicht besonders. Es gibt für mich einfach kein Ziel, keine Aufgabe, keinen Sinn, das mich zum Spielen ermutigt. Auch die Möglichkeiten, die ...
Weiterlesen
Off-Road Velociraptor Safari
Super Meat Boy
The Cave
Meltdown
The Walking Dead Season 1
Terraria