Nov 022016
 

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In meinen bisher erlebten Videospielabenteuern bin ich nie in die Rolle eines Lokführers geschlüpft. Möglichkeiten hätte es durch die unzähligen Zugsimulatoren, die sich auf Steam und in Grabbelkisten beim nahe gelegenen Supermarkt tummeln, genug gegeben. Ausgerechnet ein 2D-Survival-Adventure gibt mir jetzt die Möglichkeit, das Verpasste nachzuholen. In The Final Station wird allerdings nicht nur Zug gefahren, sondern auch viel gelaufen und geschossen.

Mit dem Zug durch den Weltuntergang

The Final Station spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Menschheit einer außerirdischen Infektion ausgesetzt wird, die sie in angriffslustige Zombiewesen verwandeln kann. Als Lokführer wird man aus dem friedlichen Alltag gerissen und muss plötzlich Ladungen für das Militär transportieren, Hilfesuchende von A nach B bringen und nebenbei noch Horden von Infizierten auslöschen.

Das Spiel wechselt über die gesamte Dauer zwischen zwei Spielmechanismen. Zum einen werden Bahnhöfe, Städte, alte Fabrikhallen und andere Orte wie in klassischen 2D-Adventures erkundet, nach Vorräten untersucht und von Zombies befreit. Im Zug wird die zweidimensionale Perspektive beibehalten, allerdings geht es dann um Ressourcenmanagement und Instandhaltung der technischen Anlagen im Zug.

Sind hier ein Arzt, ein Techniker und ein Kellner an Bord?

Eingesammelte Überlebende müssen im Waggon mit Nahrung und Verbandszeug versorgt werden, damit sie die Zugfahrt heil überstehen und den Spieler am Zielort Belohnungen überreichen. Ich hatte wenig Probleme, stets genügend Essen und Medi-Kits an Bord zu haben, denn bei genauer Erkundung der Welt, finden sich ausreichend Ressourcen an. Die Mitfahrer sind aber nur ein Teil der Beschäftigung des Lokführers, denn während der Fahrt fallen in regelmäßigen Abständen Stromversorgung, Benzinpumpe und weitere Gerätschaften aus, die durch kleine Minispiele wieder instand gesetzt werden müssen.

Während einer Fahrt zwischen zwei Missionen müssen also Technik und Bedürfnisse der Passagiere im Auge behalten werden und zudem noch Crafting für Medizin und Munition betrieben werden. Das ist alles machbar aber auch stressig, wodurch die Zugfahrten das Hektischste am Spiel sind. Allerdings gibt es während einiger Fahrten auch wunderschöne Hintergründe in Pixelgrafik mit stimmungsvoller Musikuntermalung, die eine gewisse Melancholie erzeugen und die Endzeitstimmung gut rüberbringen.

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Erkunden, erschlagen und ab und zu erschießen

Das Erkunden der Ortschaften folgt, ähnlich wie die Zugfahrten, immer einem gleichen Muster. Der Zug kommt zum Stehen und kann nur durch einen vierstelligen Code zur Weiterfahrt gebracht werden. Wie in Limbo, Deadlight und ähnlichen Spielen, geht es dann von links nach rechts, bis eben jener Code am Ende des Levels gefunden wird und der Rückweg von rechts nach links angetreten werden kann. Zwar unterscheiden sich die Szenerien optisch etwas voneinander, spielerisch bleibt aber alles weitgehend gleich.

Es werden Schränke nach Munition, Medi-Kits und Crafting-Material durchsucht, alte Tagebücher und Notizzettel gelesen und zwischendurch infizierte Wesen bekämpft. Dafür stehen Schusswaffen, Fäuste und ab und an herumstehendes Mobiliar zur Verfügung. Da die Munition knapp ist, ist es sinnvoll, die meiste Zeit in den Nahkampf zu gehen. Allerdings kommen im Spielverlauf immer gefährlichere Gegner auf, die in der Regel nur mit Waffengewalt bezwungen werden können. Ein besonderer Spannungsmoment wird dadurch erzeugt, dass der Inhalt eines Raumes erst durch öffnen der Tür offenbart wird. Mit Glück wartet dann nur ein Schrank mit Munition und Verbandskasten, meistens stürmen dem Protagonisten aber mehrere infizierte Wesen entgegen.

Von der Spielzeit her ein ICE

Trotz der wiederholenden Abläufe, schafft es The Final Station gut zu fesseln. Die zwei Spielmechanismen sorgen im Kopf für den videospieltypischen „Nur noch ein Level“-Gedanken und ehe man wirklich darüber nachdenkt, hat man schon wieder drei Zugfahrten und Leveldurchgänge hinter sich gebracht. Die Plünderung von Schränken und Kisten löst immer wieder kleine Glücksgefühle aus und das taktische- sowie Ressourcen-sparende Vorgehen gegen die Zombies ist meist spannend und jede hinter sich gebrachte Zugfahrt, in der kein Fahrgast verhungert oder verblutet ist, lässt den Spieler durchatmen und sich selbst auf die Schulter klopfen.

Leider ist die finale Station schon nach etwa fünf Spielstunden erreicht und das Ende kann nicht mit der Qualität der bis dahin erzeugten Spannung mithalten. Der Weg dahin ist jedoch trotz wiederkehrender Abläufe sehr kurzweilig und stimmungsvoll inszeniert, sodass The Final Station fast jedem Fan von 2D-Adventures empfohlen werden kann.

Rating: ★★★½☆

Homepage

Preis: 14,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X

Forum (Steam)

Preis: 14,99€

Sony Entertainment Network

Preis: 14,99€ (zum Marktplatz)

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