Jörg
PC-SpielePSNXbox One

Dex

Okt 122019
 

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Ich finde es immer wieder faszinierend, was Entwickler in der heutigen Zeit in der Lage sind, mit dem evolutionären Videospiel-Wissen der Gegenwart noch aus dem 2D-Genre herauszukitzeln. Vor Jahren hat mich bereits das kostenlose Metal Warriors 4 für den GBA/C64 absolut von den Socken gehauen. Dex schläg spielerisch in eine ähnliche Kerbe und bietet ein Spielerlebnis, welches man sonst nur aus sehr teuer produzierten 3D-Spielen kennt.

Deus Ex – die Pixelversion

Ja, Dex ist effektiv in allen Belangen eine 2D-Version von Deus Ex: Human Evolution. Das beginnt damit, dass dem Spieler die freie Wahl gelassen wird, ob er schleichen, schlagen oder schießen möchte. Jede Kombination aus den dreien ist ebenfalls ohne Weiteres möglich. Wie im dreidimensionalen Vorbild führt in den meisten Fällen ein alternativer Pfad zum Ziel, höchst wahrscheinlich durch einen Lüftungsschacht.

Die Story ist jetzt kein Meisterwerk und verwurstet vieles, was man aus verschiedenen Vorlagen kennt. Allerdings bietet sie viele interessant und überraschend reife Themen (besonders in den Nebenmissionen) und vermittelt diese wie beim 3D-Äquivalent sowohl durch voll synchronisierte Dialoge (von denen es UNZÄHLIGE gibt), als auch durch überall verstreute Textbotschaften. Die abwechslungsreiche Pixel-Welt ist wunderschön gezeichnet und bietet durch ihre Größe viel Platz für Entdeckungen.

Queststruktur und Dialoge wie in Fallout

Alles, was der moderne Spieler von einem Rollenspiel erwartet, wird in Dex in sehr guter Form präsentiert. Es gibt Skillpoints nach einem Levelaufstieg, viele Möglichkeiten Geld zu verdienen und noch mehr, es wieder auf den Kopf zu hauen. Neben Schusswaffen, Munition und „Heiltränken“ (in der Form von Pillen, Essen, Bier usw.), sind es vor allem die positiven Eigenschaften der Implantate, auf die der geneigte Spieler hinspart.

Diverse Programme (einmalig oder permanent) helfen beim Einbruch in Computersysteme, Missionen bieten meist mehrere Lösungswege, die nicht immer mit wünschenswerten Resultaten enden. Der Fähigkeitenbaum hat mir sehr gut gefallen. Er ist nicht überladen und sehr überschaubar gehalten. Dafür haben viele der Anpassungen einen sofort merklichen Effekt. Beispielsweise eröffnet ein einziger Skillpoint im Bereich Charisma bereits komplett neue (und weitreichende) Wahlmöglichkeiten in den vielen Gesprächen.

Zu diesem Punkt möchte ich noch ein Novum ansprechen, was ich so noch in keinem anderen RPG gesehen habe. Durch Charisma wird zwar die Option zum Überreden freigeschaltet, allerdings ist dies nicht automatisch, wie z.B. bei Fallout: New Vegas o.ä. Stattdessen verstecken sich hinter diesem Menüpunkt drei neue Wahlmöglichkeiten, wovon nur eine zum Erfolg führt. Dieses System hat mir sehr gut gefallen, weil hierdurch der Spieler mehr in den Prozess des Überredens eingebunden wird.

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Action aus Beat-em up und Dualstick-Shooter

Bereits sehr früh im Spiel wird man mit dem Kampfsystem konfrontiert. Dieses hat mich zunächst überrascht, dann verwirrt und schließlich zum Experimentieren eingeladen. Solange man nur einem einzelnen Widersacher gegenübersteht (was leider recht selten der Fall ist), lässt sich die Situation ganz gut kontrollieren. Ab zwei aufwärts wird jede Situation direkt haarig. Das ist auch mein erster wirklich herber Kritikpunkt. Man muss sich richtig in das System reinfuchsen, viel speichern, kreativ werden und Items für die Regeneration von Lebenspunkten clever einsetzen (diese sind anfangs rar gesät).

Das ist sicher nicht jedermanns Sache, diverse Situationen immer und immer wieder versuchen zu müssen, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase ging mir das schließlich ganz gut von der Hand. Allerdings sind ein paar Upgrades und die richtigen Strategien für den entsprechenden Gegnertyp absolut zwingend notwendig. Wer Probleme mit der schnellen Echtzeit-Action hat, wird mir Dex nicht glücklich!

Es besteht zwar die Möglichkeit, noch nicht alarmierte Feinde von hinten sofort zu erledigen, allerdings ist dies nicht bei allen Typen möglich. Da erledigte Widersacher die Haupteinnahmequelle für Erfahrungspunkte sind, erscheint mir ein reiner Schleichansatz wohl nicht möglich. Aber in diesem Punkt lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

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Hack*Hack*Hack

Der zweite große Unterpunkt der Action ist das Hacken. Dieses wurde zu meiner Freude als Dualstick-Shooter umgesetzt! Auch dieser Bestandteil ist zwingend notwendig, um im Spiel vorwärts zu kommen. Während ich meine wahre Freude daran hatte, kann ich mir gut vorstellen, dass die extrem schnellen Shooter-Einlagen nicht für jeden Spielertyp ideal sind. Wenn ihr euch also überlegt, Dex zuzulegen, sollte ihr diesen Punkt beachten.

Allerdings finde ich das System nicht ausgereift genug. Das Hack-Interface kann auf jedem Bildschirm aufgerufen werden, der Einsatz ist jedoch stark limitiert gehalten. Es läuft schlussendlich darauf hinaus, dass man in jedem neuen Raum die Kameras und die Geschütztürme ausschaltet. Es gibt lediglich eine Nebenmission, wenn ich mich recht erinnere, welche einen Hackvorgang erfordert.

Beim Einbrechen in ein Computersystem dagegen, wird im Stile eines Geometry Wars in einer Levelstruktur geballert und dieses Spiel-im-Spiel hat mir sehr gut gefallen. Ein Tip, um diese Sequenzen einfacher zu gestalten: so schnell wie möglich die permanente Software für neue Fähigkeiten installieren. Zwei der drei sind enorm hilfreich.

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Abschließend muss ich sagen, dass ich mehr als positiv überrascht bin, wie komplex ein 2D-Action-Rollenspiel sein kann. In Dex steckt eine Menge qualitativ guter Unterhaltung. Wer alle Nebenmissionen spielen möchte, hat sicher fünfzehn Stunden zu tun. Da viele Entscheidungen einen Einfluss auf die Story und das Ende habe, kann es sich durchaus lohnen, einige Passagen erneut zu spielen. Es gibt extrem viele Dialoge im Spiel und ALLE wurden synchronisiert. Das ist bei einem solchen Spiel wirklich aller Ehren wert.

Leider fallen einige Sprecher (drei oder vier) aus dem Rahmen, welche wirklich sehr viel schlechter als die guten klingen. Außerdem gibt es Probleme mit der Mischung von Sprache und Hintergrundmusik, was leider deutlich auf die Atmosphäre in diesen Passagen drückt. Weitere negative Punkte gibt es z.B. bei der Benutzerführung im Menü. Die Karte aufzurufen dauert viel zu lange und die Darstellungen der gefundenen Notizen ist absolut mangelhaft (hier etwas zu finden ist fast unmöglich).

Mir hat das Gameplay auch durch die gute Portion Metroidvania sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe doch sehr, dass wir in der Zukunft noch öfter in ähnlich gute 2D-Welten abtauchen dürfen.

Rating: ★★★★☆

Preis: 19,99€ (Steam)

Betriebssystem: Windows, Mac OS X, Linux

Homepage / Forum (Steam)

Preis: 19,99€ / $19,99

Extras: –

Homepage / Sony Entertainment Network

Preis: 19,99€ (zum Marktplatz)

Unlockables: –

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